FAQ

FAQEin wesentlicher Teil der Arbeit in einer Literaturagentur ist das Prüfen von Manuskripten. Manchmal erfreuen uns die Bewerbungen, manchmal erheitern sie uns und ab und zu verärgern sie uns auch – vor allem wenn vermeidbare Fehler gemacht werden, ist das schade. Häufig erreichen uns auch Nachfragen zum allgemeinen Ablauf und Autoren erkundigen sich, worauf man bei seiner Bewerbung achten sollte. Deswegen hoffen wir, dass dieser Blogbeitrag die wichtigsten Fragen beantwortet. Los geht’s!

 


Woran erkenne ich, ob eine Lite
raturagentur oder ein Verlag seriös ist?

Es lassen sich sehr viele Warnsignale aufzählen, an denen man unseriöse Agenturen und Verlage erkennen kann, aber da die wesentlichen Punkte auf Spiegel.de (Link) sehr gut beschrieben sind, möchten wir hier nur zwei Regeln nennen, mit denen sich die Spreu vom Weizen trennen lässt:

  1. Eine seriöse Agentur  wird niemals im Vorfeld Geld verlangen, sondern ist nur im Erfolgsfall mit einer Provision (üblich sind 15 %) beteiligt. Wird das Projekt von der Agentur nicht an einen Verlag vermittelt, verdient die Agentur nichts, und der Autor hat keinen Verlust gemacht. Ein seriöser Verlag verlangt ebenfalls in keinem Fall Geld von seinen Autoren.
  2. Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel. Sobald man als Autor selbst bezahlen soll, ist etwas faul!

Wie viel Bedeutung hat das Anschreiben meiner Bewerbung? Sollte ich versuchen, damit aus der Masse hervorzustechen?

Das Anschreiben ist natürlich ein Türöffner und dementsprechend wichtig. Hier sollte man die gleiche Sorgfalt an den Tag legen wie bei einer beruflichen Bewerbung.
Wenn bereits im Anschreiben unzählige Rechtschreib- und Grammatikfehler stecken, der Text lieblos verfasst ist, oder die falsche Agentur im Betreff steht, macht das natürlich wenig Lust auf mehr. Das Anschreiben sollte uns im besten Fall positiv auf die Leseprobe einstimmen. Überzeugen muss uns aber letztendlich das Manuskript. Das Anschreiben muss also nicht aus der Masse hervorstechen, denn wir prüfen jedes Manuskript und am Ende zählt die Qualität des Textes und nicht die Originalität des Anschreibens. Sorgfalt und Freundlichkeit sind für das Anschreiben vollkommen ausreichend.

Abgesehen von  Rechtschreibfehlern, was kann ich bei der Bewerbung noch falsch machen?

Rechtschreibfehler und Flüchtigkeitsfehler im Anschreiben und im Text sind natürlich schade, da sie – zumindest zum Großteil – vermeidbar sind. Es ist daher immer eine gute Idee, noch ein weiteres Paar Augen über den eigenen Text gehen zu lassen. Auch dieser Beitrag wurde Korrektur gelesen, und vermutlich versteckt sich trotzdem noch irgendwo ein kleiner Fehler. Ein paar wenige Fehler sind also nicht schlimm, aber in der Masse lenken sie nicht nur vom eigentlichen Manuskript ab, das es zu prüfen gilt, sondern lassen es auch schlechter dastehen. Auch in der weiteren Zusammenarbeit mit dem Verlag – mit dem Lektorat – kommt es auf Sorgfalt und Beachtung von Regeln an. Wenn das bereits auf der „Kurzstrecke“ schon nicht so gut klappt, lässt dies bei uns Zweifel aufkommen, ob wir unter diesen Umständen mit dem Autor zusammenarbeiten möchten.

Lässt sich denn anhand der ersten 30 Seiten das Potential eines Textes überhaupt feststellen?

Ja, 30 Seiten Leseprobe – zusammen mit dem Exposé – reichen für eine erste Einschätzung tatsächlich! Und gerade die ersten 30 Seiten sind auch im späteren Prozess enorm wichtig, denn sie entscheiden, ob der Lektor, die Buchhändler und letztlich die potentiellen Leser Lust haben, der Geschichte weiter zu folgen. Ein veröffentlichtes Manuskript hat in der Buchhandlung  sogar noch weniger Zeit, um zu gefallen. Der potentielle Käufer liest den Klappentext, und wenn ihn die Geschichte interessiert, dann wirft er vielleicht noch einen Blick auf die ersten Seiten, um zu sehen, ob ihm der Stil des Autors ebenfalls zusagt. Danach fällt er seine Kaufentscheidung.

Wie sollte ein ideales Exposé aussehen?

Wir möchten durch das Exposé ein Gefühl für die Geschichte bekommen und davon, was wir nach den ersten 30 Seiten noch zu erwarten haben. Dazu gehören Angaben zum Genre, der Zielgruppe, dem Umfang, oder im Falle von historischen Romanen auch Hintergrundinformationen zum geschichtlichen Kontext. Bei Sachbüchern ist ein Vergleich zu bereits bestehenden Titeln des gleichen Themas hilfreich. Darüber hinaus sollte das Exposé zeigen, wer die wesentlichen handelnden Figuren sind und natürlich eine Handlungsübersicht geben.
Bei einer humorvollen Liebesgeschichte, bei der nicht die komplexe Handlung, sondern vielmehr eine  witzige  Sprache und besondere Protagonisten überzeugen müssen, benötigt man eventuell ein weniger detailiertes Exposé als bei einem Krimi, in dem zahlreiche Handlungsstränge und falsche Fährten in einer schlüssigen Auflösung enden müssen. In solchen Fällen muss aus dem Exposé hervorgehen, dass der Autor diese Handlungsstränge entwickeln und am Ende auch wieder logisch zusammenführen kann. Es ist deshalb eine weniger gute Idee, hier die Neugier durch Auslassungen oder einen Cliffhanger schüren zu wollen.

Gibt es  Tipps für die ersten 30 Seiten – und natürlich auch für den Rest?

Um ein Buch nicht nur zu schreiben, sondern es bis zur Veröffentlichung zu bringen, braucht es natürlich zu einem großen Teil Talent, aber es ist eben auch ein Handwerk, das man aufrüsten kann. Im Buchhandel gibt sehr viele gute Ratgeber, die einen beim kreativen Schreibprozess unterstützen und hilfreiche Tipps geben – oder eben Fragen stellen, anhand derer man seinen eigenen Text überprüfen und verbessern kann. Es gibt vor allem auch im Internet sehr viele Foren und Schreibgruppen, über die man sich austauschen kann.

Generell sollte man versuchen, in den ersten 30 Seiten die Figuren so präsent zu machen, dass wir bzw. der Leser wissen möchte, wie es mit ihnen weitergeht. Das muss nicht immer über Sympathie oder Identifikation laufen, sondern funktioniert – wie man an zahlreichen Thrillern, die aus der Perspektive des Mörders beginnen, sieht – über alle möglichen Spielarten der Faszination. Neben den Figuren können die ersten Seiten eines Manuskripts natürlich auch über die Handlung an sich Neugier wecken. Erkennt man bereits zu Beginn den Kern der Geschichte? Gibt es Konflikte, die einen weiterziehen, weil man erfahren möchte, wie sie enden oder von den Protagonisten gelöst werden? Manche Autoren schaffen es auch, allein durch die Sprache einen ausreichenden Sog zu entwickeln.
Mindestens eines dieser Elemente – Figuren, Plot, Sprache – muss aber bereits in den ersten 30 Seiten deutlich hervortreten und überzeugen.

Was den weiteren Text betrifft, so kommt es häufig vor, dass Autoren sich anfangs sehr große Mühe mit dem Stil geben, mit besonderen Details, ausgefeilten Dialogen und Szenenbeschreibungen. Ab einem bestimmten Punkt muss man dann leider oft feststellen, dass gute Ideen verpuffen, interessante Charaktere unlogisch agieren und die Qualität stark nachlässt. Sowas ist schade, denn die Leseprobe weckt natürlich eine Erwartungshaltung, die bis zur letzten Seite aufrecht erhalten werden muss. Man sollte von Zeit zu Zeit also kritisch überprüfen, ob Anfang und Ende noch aus einem Guss sind.

Ein origineller Einfall oder ein interessanter Charakter reichen in der Regel nicht aus, um einen kompletten Roman zu tragen. Hier kann man nur dazu raten, den Roman von Anfang an nicht zu klein anzulegen. Das bedeutet, darauf zu achten, dass es genügend interessante Nebenfiguren gibt, verschiedene Schauplätze und Handlungsstränge.
Studenten der Kunstakademien haben früher sehr lange die alten Meister studiert und diese kopiert, bevor sie eigene Bilder schufen. Natürlich sollte man als Autor nicht einfach bei seinen Lieblingsbüchern abschreiben, aber es kann hilfreich sein, zu verstehen, was andere Bücher im gleichen Genre richtig machen. So kann man zum Beispiel feststellen, dass bei einer guten romantischen Komödie nicht nur ein Mann und eine Frau ein paar Hindernisse überwinden müssen, bevor sie sich letztendlich kriegen, sondern noch viel mehr den Roman so erfolgreich macht. Bei dem Klassiker „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ ist das nicht nur die Tagebuch-Form, sondern da wären noch die schrulligen Eltern mit ihren ganz eigenen Problemen, die Peinlichkeiten und Herausforderungen am Arbeitsplatz, witzige Situationen und Missgeschicke sowie ein Freundeskreis aus dreidimensional gezeichneten, liebenswerten Figuren.

Kann ich mich denn mit allem bewerben?

Wir vertreten nahezu alle Sparten, sowohl Belletristik als auch Sachbuch, jedoch keine Kurzprosa, Lyrik oder Fachbücher. Bilder – und Kinderbücher für Kinder unter 10 Jahren vertreten wir nur in wenigen Ausnahmefällen.
Wünschenswert ist, dass die Projekte ohne „Vergangenheit“ zu uns kommen. Wenn ein Autor sein Manuskript bereits an ein paar wenige Verlage geschickt hat, dann gibt es für uns noch ausreichend Möglichkeiten, um aktiv zu werden. Wenn aber ein Text schon einer großen Zahl von Verlagen vorliegt oder bereits abgelehnt wurde, dann möchten  wir als Agentur keine Vertretung mehr übernehmen, denn es gibt wenig, was wir dann noch tun können. Hier empfiehlt sich also, wenn man sich generell eine Vertretung durch eine Agentur vorstellen kann, das Manuskript auch zuerst bei einer Agentur anzubieten.

Soll ich mich lieber per Post oder per E-Mail bewerben, und muss ich da auf Unterschiede achten?

Wir prüfen beide Formen gleichermaßen sorgfältig, aber wenn es von Seiten der Autoren keine Präferenz gibt, dann – der Umwelt zuliebe – gerne per E-Mail.
Das gesparte Papier ist allerdings der einzige Unterschied. Ansonsten gelten bei der E-Mail-Bewerbung die gleichen Anforderungen und Formalien wie bei einer Bewerbung per Post.

Gibt es  ein Genre, das besonders gut läuft? Lohnt es sich überhaupt „für den Markt“ zu schreiben?

Es gibt natürlich immer Genres, die zu bestimmten Zeiten besser gehen als andere – allerdings ist dort auch die Konkurrenz häufig sehr groß. Wann genau ein solcher Trend beginnt und wieder aufhört, lässt sich nicht immer mit Gewissheit vorhersagen. Da man schließlich eine gewisse Zeit für das Schreiben benötigt, ist es immer riskant, ein Manuskript nur aus dieser Motivation heraus zu verfassen. Letztendlich sollte man schreiben, was einem liegt und was einen begeistert.
Hier gilt wohl Ähnliches wie bei der allgemeinen Berufswahl: Man sollte immer das anstreben, wo Leidenschaft und Talent sich treffen. Ein wenig Vernunft schadet nicht, aber nur mit Berechnung hat man höchstwahrscheinlich Pech oder wird damit nicht glücklich.

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